Mitarbeiter
Spielstätten/Anfahrt
Freunde und Partner
Theaterpädagogik
Mediathek
Freilichtbühnen-Saison
Opernball
Umweltmanagement
Geschichte
Werkarchiv
Kontakt

Theater Augsburg, seine Spielstätten und ihre Geschichte

Die Freie Reichsstadt Augsburg hatte schon immer eine viel gerühmte Theatertradition. Bereits um 1450 entstand hier die erste deutsche Meistersingschule. Diese „Augsburger Meistersinger Gesellschaft“, lange die bedeutendste Sängervereinigung nach der in Nürnberg, ging schon bald zur Schauspielkunst über und bot in Kirchen, Gasthöfen, Zunfthäusern- und stuben „die geistlich-christauferbaulichen und mit schöner Musik unterspickten Betrachtungsstücke“ dar. Aus den Jahren 1535 bis 1614 sind 262 Meistersinger namentlich überliefert. Mit dem 30-jährigen Krieg ging auch der Niedergang des Meistergesangs einher.

Das Theater um 1655Das Jahr 1665 markiert den Beginn von Augsburgs Theaterleben mit der Errichtung des „Meistersinger-Stadels“ am Lauterlech im eigentlichen Wortsinn. 111 Jahre später entstand an der Stelle dieses Holzbaus ein massiver Steinbau: das „Städtische Schauspielhaus“. Ein „Theater großen Stils“, mit Auftrittsmöglichkeiten für renommierte Gast-Ensembles. Wolfgang Amadeus Mozart besuchte das Theater im Oktober 1777. Seine Oper Don Giovanni wurde hier bereits 1787 (im Uraufführungsjahr) gegeben, die Zauberflöte folgte 1793.

Genau 100 Jahre nach der Entstehung beschloss der Magistrat am 1. Januar 1876 (in dem mittlerweile mangelhaften Bau war ausgerechnet in der Loge des Bürgermeisters Ludwig von Fischer ein Brand ausgebrochen) den Neubau eines repräsentativen Stadttheaters. Makaber: Nach der Aufnahme des Spielbetriebes im neuen Theater wurde das Theater am Lauterlech zunächst als „Leichenversorgungsamt“ weiter genutzt. Der liebevoll „Komödienstadel“ titulierte Bau wurde wie das neue Stadttheater im Februar 1944 zerstört. Das neue Stadttheater wurde anfangs an den jeweiligen Direktor verpachtet, der für den finanziellen Erfolg oder Misserfolg voll verantwortlich war. Die Stadt gewährte lediglich Zuschüsse. 1919 wurde das Stadttheater endgültig kommunalisiert. 1924 mussten vorübergehend die Sparten Schauspiel und Operette aufgelöst werden. 1929 fanden die ersten Aufführungen auf der Freilichtbühne statt. 1956, nach Zerstörung und Wiederaufbau, kehrten die „Städtischen Bühnen“ in das Stadttheater zurück. 1999 erfolgte die Umwandlung der „Städtischen Bühnen“ in den städtischen Eigenbetrieb „Theater Augsburg“.

Dieser Mehrspartenbetrieb mit Musiktheater, Schauspiel und Ballett verfügt neben dem „Großen Haus“ über die 2012 neu errichteten „brechtbühne“, die „Freilichtbühne am Roten Tor" und den 2003 eröffneten „hoffmannkeller“. Die Augsburger Philharmoniker richten ihre reguläre Konzertreihe im Kongress am Park aus.
            

GROSSES HAUS AM KENNEDYPLATZ
Hauptfoyer 1876
Nachdem der Magistrat der Stadt Augsburg am 1. Januar 1876 den Neubau eines repräsentativen Theatergebäudes an Stelle des siebengeschossigen ehemaligen Salzstadels am Alten Einlaß beschlossen hatte, wurde der Planauftrag an zwei führende Theaterarchitekten ihrer Zeit vergeben: an die Wiener Architekten Ferdinand Fellner (1847-1916) und Hermann Helmer (1849-1916). Es entstand ein Neurenaissance-Bau mit 1400 Plätzen, der innen wie außen reich mit ornamentaler und figuraler Malerei und Plastik ausgestattet wurde. Der Geländeabfall wurde geschickt genutzt, um den Ort des Theaters durch eine Terrasse mit Freitreppe und einer halbkreisförmigen Balustrade städtebaulich hervorzuheben und eine festliche Eingangssituation zu schaffen. Im ersten Stock erhob sich eine korinthische Säulenordnung, drei große Rundbogenöffnungen schlossen Nischen mit den Standbildern Goethes und Schillers ein. Über ihren Köpfen prangten Medaillonbilder von Mozart bzw. Beethoven. Über den Rundbögen waren Bogenfiguren angebracht, welche die Musik, die Komödie, die Tragödie usw. versinnbildlichten. Die Decke des Zuschauerraumes war reich ornamentiert; über dem Proszenium konnte man die „Geburt der Schönheit“ erblicken. Allegorien der Tanzkunst, der Tragödie, der Poesie, des Epos, der Satire, der Redekunst und der Musik folgten. Der Hauptvorhang zeigte Äesop, wie er einer herbeiströmenden Menge Fabeln vorträgt. Am 26. November 1877 wurde das neue Stadttheater mit Webers Jubelouvertüre und Beethovens Fidelio festlich eröffnet. 1926 wurden einige Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Dazu gehörten der Einbau eines Rundhorizontes mit neuer Beleuchtungsapparatur, eine Berieselungsanlage am Eisernen Vorhang, ein neuer Bühnenboden sowie die Überdeckung des Orchesters. 1935 wurde das Bühnenhaus umgebaut und mit neuen technischen Einrichtungen versehen. 1938/39 erfolgte ein größerer Umbau nach Plänen von Paul Baumgarten. Dabei wurde die Eingangsfront von drei auf fünf Achsen erweitert und das Innere im Zeitstil umgestaltet. Nach Vollendung des Umbaus wurde das Stadttheater am 24. Mai 1939 mit einer Festaufführung von Wagners Lohengrin zum zweiten Mal eröffnet.

Das Große Haus vor dem Umbau 1938Das Große Haus nach dem Umbau 1938












Das Große Haus vor (links) und nach (rechts) dem Umbau 1938.

Schwere Bombenschäden im Februar 1944 erforderten den Wiederaufbau von 1952 bis 1956. Äußerlich wurde der Zustand der späten 30er Jahre in vereinfachter Form wieder hergestellt, der Innenbereich wurde im Stil der 50er Jahre neu gestaltet. Die bautechnisch wichtigste Erneuerung war jedoch die Verstellbarkeit der gesamten Bühnenanlage. Die Bühne konnte nun mitsamt der Drehscheibe bis an den vorderen Orchesterrand gefahren werden. Am 10. November 1956 erfolgte die Wiedereröffnung mit Mozarts Hochzeit des Figaro. Ab 1989 wurde die Bühnentechnik erneut modernisiert, 1990 kam es zum Umbau des Proszeniumsbereiches mit Orchestergraben und Portalzone und zur Erneuerung der Unter- und Obermaschinerie mit Umstellung auf Ölhydraulik.

FREILICHTBÜHNE AM ROTEN TOR
Freilichtbühne um 1970
Das heutige Rote Tor war ursprünglich Teil einer Wehranlage, die einst das Gebiet der Freien Reichsstadt umschloss. Die erste urkundliche Erwähnung eines in der südlichen Stadtmauer gelegenen „Roth Thors“ stammt aus dem Jahr 1259. Dieser befestigte Zugang sicherte Augsburgs Handelsweg nach Italien und damit wichtige Geschäftsbeziehungen der alten Handelsstadt. 1519 ließ der Rat ein Gutachten über die Sicherheit der Stadt in Bezug auf die neuesten Entwicklungen in der Wehrtechnik erstellen. Auf dessen Grundlage wurde der Ausbau mit voll ausgemauerten Basteien, den künstlich aufgeschütteten, vorspringenden Wällen, beschlossen. Von 1519 und 1551 entstanden so insgesamt acht Basteien, darunter 1545 der Rote Torwall.
Zwischen 1605 und 1625 kam es zu den bedeutendsten Erweiterungsbauten von Elias Holl. Dessen revolutionäre funktional-ästhetische Bauweise war zu seiner Zeit bahnbrechend und prägt die Stadtsilhouette bis heute entscheidend mit.
Die ersten Freilichtspiele wurden 1928 auf Initiative des Verkehrsvereins veranstaltet: Vor der Kulisse von St. Ulrich und Afra wurde nach Salzburger Vorbild Hugo von Hofmannsthals Jedermann in Szene gesetzt. Ein Jahr danach griff der Stadtrat eine Anregung von Otto Falckenberg, Direktor der Münchner Kammerspiele, auf und beschloss, den Wallgraben am Roten Tor zu einer Freilichtbühne umzugestalten. Die nötigen Mittel wurden aus dem Friedrich-Prinz-Fonds zur Verfügung gestellt.
Am 3. August 1929 wurden die ersten „Augsburger Festspiele im Amphitheater vor dem Roten Tor“ mit Max Mells Nachfolge-Christi-Spiel (Münchner Kammerspiele; Regie: Otto Falckenberg) eröffnet. Am 31. August 1929 folgte die Freilicht-Premiere von Beethovens Fidelio. Die Münchner Abendzeitung sprach von der ‚schönsten Freilichtbühne‘ Deutschlands. Der finanzielle Misserfolg im Folgejahr führte dazu, dass die Spiele zunächst wieder eingestellt wurden. 1932 wagten dann Künstler der Städtischen Bühnen einen Neubeginn auf eigenes Risiko. Nach der Machtergreifung durch das NS-Regime wurde die Freilichtbühne zur ständigen Sommerbühne der Städtischen Bühnen (Prädikat: ‚Reichswichtige Spiele‘ mit namhaften Gästen aus dem In- und Ausland). Aufgeführt wurden vor allem Opern italienischer Komponisten und von Richard Strauss, der hier 1936 seine Elektra dirigierte. Nach kriegsbedingter Pause kommen seit 1946 alljährlich Musiktheater-Produktionen der Städtischen Bühnen - vor allem Opern und Operetten – zur Aufführung. Berühmte Regisseure wie Otto Falckenberg oder August Everding schufen hier unvergessliche Inszenierungen großer Schauspiel- und Musiktheaterwerke.

KOMÖDIE
Die KomödieIn den Jahren 1764/65 wurde an der Gemarkung „Vorderer Lech 8“ das Gebäude der heutigen Komödie als Kattunmanufaktur errichtet. Verantwortlich dafür zeichnete der Architekt Leonhard Christian Mayer (1725-1810). Eingetragener Bauherr war Georg Christoph Gleich, der zweite Ehemann der legendären Witwe Barbara Gignoux, die nach Konkurs und Flucht des Ehemannes sehr erfolgreich die Familiengeschäfte weiterführte. In ihrem Palais verkehrte das kunstsinnig-liberale Augsburg. Barbara Gignoux verfügte über viele Kontakte zu den Mitgliedern des Collegium Musicum, das 1752 von A. C. Gignoux, einem Bruder ihres ersten Mannes, als „Musikübend- und liebende Gesellschaft“ reorganisiert worden war. Bereits seit 1822 befindet sich die Gaststätte „Blaues Krügle“ in dem Anwesen. Dessen Saal diente vom 10. Oktober 1945 bis zur Saison 1956 als Ausweichspielstätte für das kriegszerstörte Stadttheater, ehe die Städtischen Bühnen den regulären Schauspielbetrieb aufnahmen. Der Baukörper mit der historischen Rokokofassade besteht aus einem längeren Hauptbau mit kürzerem Seitenflügel, an dem ein polygonaler Erker angebracht ist. Das Torportal mit Korbbogen wird von ionischen Pilastern flankiert und von einem Dreiecksgiebel mit Ziervasen bekrönt. Die Komödie musste 2010 geschlossen werden. 

HOFFMANNKELLER
Der hoffmannkeller
Der hoffmannkeller, ein Gewölbekeller aus dem 18. Jahrhundert, liegt direkt unter dem Intendanzgebäude. Über lange Jahre diente er einer Weinhandlung als Fass- und Flaschenlager. Jahrzehntelang wurde der hoffmannkeller vom Theater als Fundus und Stauraum genutzt, ehe er von findigen Mitarbeitern des Theaters „wieder entdeckt“ wurde. In der Zeit zwischen Mitte April und Mitte Mai 2002 sorgten ausgefallene Aktionen dafür, dass Geld für die Kellerbühne gesammelt werden konnte. Spenden- und Sponsorengelder im Rahmen von Premierenfeiern (u.a. auch für die Bestuhlung) waren ebenso dabei, wie der Erlös aus dem Verkauf von Eintrittskarten. Nun konnte der Keller als Experimentierbühne ausgebaut werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde der hoffmannkeller Ende April 2003 seiner Bestimmung übergeben. Der hoffmannkeller trägt seinen Namen als Hommage an den literarisch wie musikalisch vielfältig tätigen Künstler E.T.A. Hoffmann (1776-1822). Früher wurde der Keller theaterintern wegen der ehemals darin beheimateten, gleichnamigen Weinhandlung, die sich allerdings nur mit einem „f“ schrieb, immer als „hofmannkeller“ bezeichnet. Bei der endgültigen Namensgebung des Theaterkellers wurde aus dem „hofmannkeller“ der Weinhandlung schließlich der „hoffmannkeller“ des Theaters.

KONGRESSZENTRUM
Kongresszentrum neu
Die Augsburger Kongresshalle, ein moderner und variabler Hallenbau, befindet sich nahe dem Stadtzentrum und gleichzeitig auch mitten im Grünen: Sie ist im Wittelsbacher Park gelegen, an einem kleinen See mit gemütlichem Biergarten und viel Erholungsgrün. Gleichzeitig ist sie einen Katzensprung von Augsburgs Innenstadt entfernt. In nur 10 Minuten erreicht man sie von der historischen Altstadt aus zu Fuß. Traditionell finden dort die Sinfoniekonzerte des Philharmonischen Orchesters Augsburg statt – etwa 8 Programme im Jahr, die dann jeweils an einem Montag und einem Dienstag unmittelbar hintereinander gespielt werden. 1400 Plätze stehen unserem Publikum bei jeder Vorstellung zur Verfügung.


BRECHTBÜHNE
Nach nur sieben Monaten Bauzeit konnte die Interimsspielstätte des Theaters mit einer Nutzfläche von circa 1.600 m² im Mai 2012 feierlich eingeweiht werden. Die neue Spielstätte mit etwa 250 Sitzplätzen steht dem Theater als Bühne für Schauspiel- und Ballett-Inszenierungen sowie für Veranstaltungen im kleineren Rahmen in unmittelbarer Nähe zum Großen Haus zu Verfügung.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Fassade der brechtbühne, die sich auf dem ehemaligen Parkplatz des Intendanzgebäudes in der Kasernstraße befindet: Die gebogenen, pulverbeschichtenen Blechpanelen in Rubinrot an der Südseite wurden einem Theatervorhang nachempfunden.
Die Gesamtkosten des Baus betrugen rund sechs Millionen Euro, finanziert durch Theater, Stadt Augsburg und den Freistaat Bayern, großzügig unterstützt vom Hauptsponsor Stadtsparkasse, der Viermetzstiftung und den Freunden des Theaters Augsburg.
brechtbühneDafür erhielt die brechtbühne einen Saal mit etwa 365 m² Gesamtfläche, fast die Hälfte davon ist reine Bühnenfläche. Im ersten Obergeschoss befindet sich das Herzstück, eine Probebühne mit 320 m². Die vormals zeitaufwändigen Wege zum in Haunstetten gelegenen Probenbühnen-Provisorium der letzten Jahre entfallen damit und die Künstler freuen sich, dass sie mit der Probebühne auch neue Garderoben und Sanitäreinrichtungen bekommen haben - ein bisher ungewohnter Luxus. Eine der Sammelgarderoben wurde mit einem Schwingboden ausgestattet und damit als die kleinste Turnhalle Augsburgs ausgewiesen! Auch den Gästen wird Komfort geboten: Das Foyer mit seinen 140 m² und ein überdachter Außenbereich laden vor und nach Veranstaltungen sowie in den Pausen zu anregenden Gesprächen mit Getränken und kleinen Snacks ein.

Heute 02.08.2014

Frau Luna - Berliner Operette
20:00, Weitere Spielorte

Nächste Premieren

Die Banditen von Gerolstein
19.09.2014 PREMIERE
19:30, brechtbühne
Jenufa
20.09.2014 PREMIERE
19:30, Großes Haus
Where I end and you begin
18.10.2014 WIEDERAUFNAHME
19:30, brechtbühne