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Juliane Votteler, Intendantin

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Theaters,

Im Sommer haben wir im Vollgalopp und noch im „Schock“ viele Pläne gemacht, um unseren Spielplan für Sie, liebes Publikum zu retten. Manches ist schon gelungen, wir sind sehr stolz, dass die ersten beiden Runden unserer Premieren herausgekommen sind und so viele Menschen erreicht haben. Der Publikumszuspruch hat sich noch gesteigert:  wir sind begeistert – und Sie offenbar auch. In der größten Not zeigt sich wahre Freundschaft, so empfinde ich die vielen positiven Rückmeldungen und vor allem den Zuspruch und die motivierende Unterstützung, die ich überall erlebe! Danke Ihnen allen dafür. Danke auch unseren Abonnentinnen und Abonnenten, deren Geduld wir so strapaziert haben – und die wir im Dezember endlich über die weiteren Abo-Termine der Saison informieren können. Und Dank an die großartige Leistung der Mitarbeiter, die sich in die Herausforderungen geradezu hineingestürzt haben.

Runde drei und vier unserer Premieren und Produktionen führt uns nun wieder an neue Orte, aber auch an alt bewährte, doch Änderungen gibt es überall! Da wir mit unserem Faustprojekt in die brechtbühne ausweichen müssen, wird aus dem Gesamtspektakel Faust 1+2 = Faust. Christian Weise untersucht in seiner Inszenierung die Rezeptionsgeschichte des Stoffes und wirft damit neue Fragen nicht nur zum Stoff, sondern auch zur Frage der Darstellungskunst schlechthin auf.

Otello statt Rusalka
Da man für die tschechische Märchenoper Rusalka den Verzauberungsapparat eines Theaters braucht – mit verführerischen Wassereffekten und magischen Lichtspielen – uns diese Mittel aber in der Kongresshalle, wohin wir mit unserer dritten Musiktheaterpremiere ausweichen, nicht zur Verfügung steht, haben wir uns mit Domonkos Héja und der Regisseurin Michaela Dicu auf einen neuen Titel geeinigt: Verdis Otello. Die vorletzte Oper des genialen Komponisten und die erste, die er mit dem Meister des Librettos Arrigo Boito erarbeitete, ist nicht nur ein herrliches Werk für große Chöre, sondern durch die Bearbeitung des Shakespeare-Textes ein fantastisches Meisterwerk grandioser Charakterdarstellungen im intimen Spiel miteinander. Hier erweist sich die Örtlichkeit als Vorteil, die Konzentration auf die Figuren wird durch ein zwingendes Bühnenbild mit einfachen Mitteln möglich.

Wiedersehen im Martini Park
Unsere Abschlusspremiere im Schauspiel sollte eine Hommage an das Theater schlechthin werden. Doch Der nackte Wahnsinn stand uns am 27. Mai 2016 bei der Feststellung, dass das Große Haus geschlossen werden muss, eher selbst ins Gesicht geschrieben. Sich ohne ein Theater über das Selbige lustig zu machen, erscheint recht fad. Daher haben wir auch hier eine Titeländerung vorgenommen.
Schauspieldirektorin Maria Viktoria Linke wird nun als letzte Regiearbeit in Augsburg Pension Schöller von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs herausbringen. Auch hier geht es um den Wahnsinn, um tollkühne Behauptungen und grandiose Missverständnisse, doch mehr im Kontext der Illusion. Und über die in unserer jetzigen Situation herzlich zu lachen, ist sicher das Beste, was uns passieren kann. Herauskommen wird diese Arbeit im Martini Park, allerding nicht in der bereits bespielten Halle B13, sondern in der benachbarten B12, die langfristig nun als Ausweichspielstätte für Oper, Ballett und große Schauspiele ertüchtigt werden soll und André Bücker und seinem Team in den kommenden Jahren eine Heimat werden wird. Wir wohnen die Halle B12 erst mal nur improvisiert „warm“, es wird aber schon eine bequeme Bestuhlung geben. Viel wird noch unfertig sein, denn richtig bezugsfertig ist das Ganze erst im September 2017. Doch wir sind froh, für die lustige Komödie und für unsere Musiktheaterproduktion Kaspar Hauser einen Ort gefunden zu haben.
Kaspar Hauser ist eine Koproduktion mit dem Theater Freiburg und ich freue mich ganz besonders, dass wir dieses spannende Werk der Neuen Musik nun doch in Augsburg zeigen können. Die Inszenierung der Uraufführung von Hans Thomallas Kaspar Hauser hatte in Freiburg Frank Hilbrich inne, der in den letzten Jahren immer wieder als herausragender Regisseur der Opernszene Erwähnung fand. Er wird auch in Augsburg die Einstudierung mit unseren Sängern vornehmen.

Ballettabend im Kongress am Park
Die letzte Ballettproduktion Carmen / Bolero wird ebenfalls in der Kongresshalle ihre Aufführung erleben. Da wir uns nach deren Belegungsplan richten mussten, ist der Premierentermin etwas verschoben worden. Wir freuen uns auf einen großen Abend mit unserer Compagnie und bei der Produktion Bolero auf eine weitere Choreografie von Riccardo De Nigris, unserem  Hauschoreografen. Felix Weinold, ein dem Augsburger Publikum sicherlich bekannter, vielbeachteter Künstler, gestaltet das Bühnenbild. Seien Sie gespannt!

In Gottes Namen
Das Projekt In Gottes Namen am Ende der Saison, versteht sich als ein Beitrag zum Abschluss der Lutherdekade und dem Augsburger Religionsfrieden mit seinen weitreichenden Folgen. In Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann geht es nach dem Roman von Grimmelshausen um den 30-jährigen Krieg, der ohne die Ereignisse in Augsburg 1555 so nicht stattgefunden hätte. Diese wunderbare Oper werden sie ins eher ungewöhnlicher Form in der brechtbühne erleben, ebenso wie das Rechercheprojekt von Harry Fuhrmann, den viele noch von den Webern von Augsburg in Erinnerung haben werden, und der sich nun unter dem Titel „Unruhe“ im Paradies (UA) mit dem Zusammenleben der verschiedenen Religionen in Augsburg beschäftigt. Abgerundet wird das Projekt durch die Präsentation der Studenten von der Theaterakademie Ludwigsburg, die unter der Gesamtleitung von Ludger Engels eine theatralische Auseinandersetzung mit Wallenstein – ebenfalls in der brechtbühne – zeigen werden.

Highlights zum Abschied
Am Ende der Spielzeit steht dann Richard O'Brien's The Rocky Horror Show auf der Freilichtbühne: lang versprochen, soll es nun endlich klappen. Obendrein gibt es noch ein ganz besonderes Highlight in der Kongresshalle: Diana Damrau gibt am 9. Juli ein Benefizkonzert zu Gunsten der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung. Wir freuen uns, dass unsere wunderbaren Augsburger Philharmoniker mit dieser großartigen Sängerin einen Abend bestreiten werden. Der Vorverkauf beginnt im Frühjahr. Außerdem freuen wir uns im Sommer 2017 auch wieder auf das alljährliche Open-Air-Konzert mit der MAN.

Ganz am Ende nehmen viele von uns Abschied, andere bleiben. Wir sagen, was wir heuer nicht beim Opernball-Motto verwirklichen konnten: „Servus und baba“. Am 30. Juli wird es auf der Freilichtbühne ein großes Konzert geben, mit allen, die in den letzten Jahren dabei waren, mit allen, die gehen, mit allen, die bleiben und: mit IHNEN, unserem Publikum. Darauf freuen wir uns, wie auf alle neuen Stücke und Aufführungen in 2017:

Unser Motto: Wir lassen uns nicht unterkriegen! Dabeisein ist alles! Wo immer auch es sein mag, es heißt weiterhin: Vorhang auf und HEREINSPAZIERT!!

Ihre
Juliane Votteler
Intendantin Theater Augsburg