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Verborgenes

7. Sinfoniekonzert
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Bereits nach der Uraufführung seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk 1936 war Schostakowitsch vorgeworfen worden, er schreibe „Chaos statt Musik“; eine weitere Verwarnung erhielt er von Seiten der Politik 1948, worauf er sämtlicher Lehrämter enthoben wurde.
Erst nach dem Tod Stalins 1953 wagte Schostakowitsch mit seiner 10. Sinfonie eine Komposition, die das Recht auf künstlerische Freiheit einfordert. Verleiht er hier zunächst seinem persönlichen Leid Ausdruck, so zeichnet er mit einem brutalen Scherzo das musikalische Porträt Stalins, um in den letzten beiden Sätzen mit einem auf seinen eigenen Initialen beruhendem Thema die Vergangenheit zu besiegen und sich in seiner künstlerischen Würde befreit aufzurichten.
Auch Sophia Gubaidulinas Oeuvre entsprach nicht den ästhetischen Vorgaben der kommunistischen Kulturfunktionäre. Sie entwickelte ihre individuelle musikalische Sprache daher gleichsam im Verborgenen. Den größten Einfluss auf ihre Arbeiten habe Schostakowitsch gehabt, äußerte sich die russische Komponistin; er habe sie gelehrt, sie selbst zu sein. Die Aufführung zeitgenössischer Werke ist der international gefragten, grandiosen Geigerin Isabelle van Keulen ein zentrales Anliegen. Mit ihrer charismatischen Ausstrahlung durchleuchtet sie tiefgründig die seelischen Facetten dieses Werkes.

Programm:

Sophia Gubaidulina (geb. 1931): Offertorium, Violinkonzert
Dimitri Schostakowitsch (1906-1975): Sinfonie Nr. 10 e-moll op. 93

Violine: Isabelle van Keulen