Luigi Nono
Fragmente – Stille, an Diotima
KonzertinstallationEin Ort innovativen, experimentellen und intimen Theaters verspricht die neue brechtbühne zu sein. Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten wird das Augsburger Publikum mit Luigi Nonos Fragmente - Stille, an Diotima in die geheimnisvolle, sinnliche Welt eines der wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit entführt.
Gemeinsam mit Musikern, zwei Schauspielern und zwei Tänzern des Theaters Augsburg erarbeitet der junge Regisseur und Bühnenbildner Martin Miotk eine szenisch-räumliche Deutung von Nonos berühmtem Streichquartett und verführt das Augsburger Publikum mit seiner Konzertinstallation zu einem Abenteuer der Wahrnehmung.
Das Streichquartett Fragmente - Stille, an Diotima aus dem Jahr 1980 ist eine Komposition von großer Zartheit. 35 Minuten lang ertönen Klänge, die sich bis an die Grenze der Wahrnehmbarkeit erstrecken: Einzeltöne wie Fundstücke im Pianissimo, getuschelte Motivfetzen, irisierende Flageolett-Töne, Geräuschhaftes, alles durchsetzt von Pausen. Die Stille beschreibt Nono als den Urzustand, aus dem alles Tönende aufsteigt und in den es wieder zurück versinkt. Stille und Klang stehen in seinem Streichquartett gleichberechtigt nebeneinander. Geheimnisvolleres ist kaum je komponiert worden.
Im Titel seines Streichquartetts stellt Luigi Nono Bezüge zu Gedichtfragmenten Friedrich Hölderlins her. Einige dieser Dichterworte hat der Komponist in die Partitur eingetragen. Die Musiker können sie lesen, aber ausgesprochen werden sie nie. ... „staunend" ... „eine Welt" ... „jeder von euch"... lauten die Angaben über den Noten oder ... „geheimere Welt" ... „allein" ... „seliges Angesicht" ... Rätselhaft und inspirierend sind diese Bruchstücke, die von den ausführenden Musikern mitgedacht und mitempfunden werden sollen. Für Nono ist dieser Umgang mit der Sprache typisch: Immer wieder senkt er das Wort tief in seine Kompositionen ein und löst es gleichsam in Klang auf.
Der Italiener Luigi Nono (1924-1990) galt in den Fünfziger Jahren neben Boulez und Stockhausen als einer der führenden Repräsentanten der Darmstädter Schule, die in der Nachfolge von Anton Webern und Alban Berg die serielle Kompositionstechnik prägte. Gleichzeitig war Nono ein Gegner der These einer „Stunde Null" in der Musik. Den Serialismus in seiner dogmatischen Form, wie er sich in Darmstadt entwickelt hatte, betrachtete er als „abstrakte Ausflucht". Ihm selbst ging es in seiner künstlerischen Haltung nicht um eine „abstrakte Leitidee". Für Nono stand die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit im Vordergrund. Der expressiven und streng strukturierten Musik des langjährigen Mitglieds der Kommunistischen Partei Italiens lagen stets politische Aussagen zugrunde, gleichzeitig bemühte er sich in Inhalt, Form und Ausdruck um Innovation.
Das Streichquartett Fragmente - Stille, an Diotima markiert einen Wendepunkt in Nonos eigenem Schaffen. Die Innerlichkeit dieses Werkes läutet eine letzte kompositorische Phase ein, in der Nono zunehmend von seinem politisch-revolutionären Gestus abstand nahm. Durch minimalistische Formgebung und radikale Reduktion gelangte er mit seinen letzten Werken in Bereiche des fast Unhörbaren.
Eine Veranstaltung der Reihe Zukunftsmusik
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Installation und Raum: Martin Miotk
Kostüme: Andy Besuch
Streichquartett: Agnes Malich (1. Violine), Dace Salmina Fritzen (2. Violine), Christian Döring (Bratsche), Johannes Gutfleisch (Cello)
Mitwirkende: Marie Sophie Budek, Kerstin Descher, Alfonso Linares, Nicholas Reinke
Weitere Termine im Juni werden rechtzeitig bekanntgegeben!

